Problem-Atomkraftwerk Krümmel steht wieder still
Geesthacht/Kiel Das Atomkraftwerk Krümmel steht wieder still.
In dem Reaktor sei es zu einer Schnellabschaltung gekommen, teilte das Kieler Sozialministerium als Aufsichtsbehörde mit.
Ursache für den Störfall waren nach Angaben des Betreibers Vattenfall Probleme mit einem Maschinentransformator. Die Atomaufsicht habe Sachverständige in die Anlage geschickt. Erhöhte Radioaktivität ist demnach nicht freigesetzt worden. Die Anlage befinde sich in stabilem Zustand und werde über das Fremdnetz mit Strom versorgt, teilte Vattenfall mit.
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) erklärte, sie habe eine erneute Prüfung der Zuverlässigkeit von Vattenfall veranlasst. «Vattenfall ist jetzt in der Pflicht, weitreichende Konsequenzen aus dem jüngsten Störfall zu ziehen», sagte sie. Ein Sprecher des Ministeriums teilte ergänzend mit, die erste Information über die Abschaltung an den Einsatzstab im Innenministerium sei nicht von Vattenfall gekommen, sondern von der Polizei.
In Hamburg fielen wegen eines Spannungseinbruchs im Stromnetz rund 1500 von insgesamt 1800 Ampelanlagen aus. Nach drei Stunden waren bis auf rund 50 Anlagen alle wieder am Netz. Betroffen waren auch einige Einkaufszentren sowie eine Fabrik.
Das umstrittene Kernkraftwerk war erst vor zwei Wochen nach zwei Jahren Stillstand wieder in Betrieb gegangen. Kurz danach war es zunächst zu einem Defekt in der Elektronik gekommen. Einige Tage später schaltete sich der Reaktor wegen eines Problems in der Turbine ab, konnte aber mit verminderter Leistung weiter betrieben werden. Nach Vattenfall-Angaben, die noch nicht von der Atomaufsicht bestätigt sind, war menschliches Versagen der Grund für die Störung. Ein Ventil an einem ausgefallenen Eigenbedarfstransformator sei falsch eingestellt gewesen.
An diesem Wochenende sollte Krümmel wieder hochgefahren werden und seine volle Leistung erreichen. Dagegen hatten am Freitag rund 120 Atomkraftgegner mit einer Mahnwache demonstriert. Naturschutzorganisationen und die Grünen fordern, den Reaktor wegen seiner Störanfälligkeit ganz vom Netz zu nehmen. Der schleswig- holsteinische Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl, Konstantin v. Notz, erklärte, nun müssten strafrechtliche Schritte geprüft werden. Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel ergänzte, die Landesregierung müsse «unverzüglich mit Vattenfall vereinbaren, dass der Reaktor endgültig stillgelegt wird».
dpa-infocom
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