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Deutschland bei Handball-WM vor Halbfinal-Einzug - 30:21 gegen Tunesien

Mit kühlem Kopf und glänzendem Keeper

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Bester Werfer im deutschen Team: Florian Kehrmann traf sechs Mal.

Povoa de Varzim - Deutschlands Handballer bleiben bei der Weltmeisterschaft in Portugal weiter auf Medaillenkurs und sind nur noch einen Sieg vom Halbfinale und der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2004 in Athen entfernt.

Der Vize-Europameister gewann seine erste Hauptrundenpartien gegen den WM-Zehnten Tunesien mit 30:21 (14:13) und bewahrte trotz einiger Probleme kühlen Kopf. Mit einem weiteren Erfolg am Donnerstag im "Finale" um den Gruppensieg gegen den WM-Dritten Jugoslawien (15.15 Uhr/ ARD) könnte das Team von Bundestrainer Heiner Brand das Ticket für die Runde der letzten Vier lösen.

Florian Kehrmann (6 Tore) sowie der in der zweiten Halbzeit glänzende Keeper Christian Ramota (beide TBV Lemgo) besiegelten den vierten Triumph im vierten Duell mit den Nordafrikanern, die Deutschland drei Monate zuvor beim Ringen um die WM-Austragung 2005 eine bittere Schlappe zugefügt hatten.

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Völlig frei vor dem Tor: Klaus-Dieter Petersen.

"Tor um Tor erarbeitet"

"Wir wussten, dass Tunesien ein schwerer und unangenehmer Gegner sein würde. Aber ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, sie hat sich Tor um Tor erarbeitet", erklärte Brand. "Wir haben uns auch von Fouls nicht aus der Ruhe bringen lassen und unseren Stil durchgezogen", meinte Kehrmann.

Vor 1000 Zuschauern im Pavilhao Desportivo Municipal hatte das DHB-Team wie erwartet erhebliche Probleme gegen die offensive Deckung der Tunesier, behielt aber am Ende kühlen Kopf. Zwar gelang zunächst eine schnelle 9:5-Führung, doch überhastete Abschlüsse verhinderten einen klaren Vorsprung und ermöglichten den Afrikanern sogar den zwischenzeitlichen Ausgleich (16:16).

Stabile Deckung als Schlüssel zum Erfolg

Doch die mit der maximalen Punktzahl von zwei Zählern in die Zwischenrunde gestartete deutsche Formation besann sich nach dem Wechsel auf ihre Deckungsstärken, wobei sich auch der für den Kieler Henning Fritz aufgestellte Ramota steigerte. Zudem mussten die Tunesier ab der 40. Minute auf ihren bis dato erfolgreichsten Werfer Sahbi Ben Aziza (4/2) verzichten, der nach der dritten Zeitstrafe ebenso wie der Lemgoer Volker Zerbe (50.) die rote Karte sah.

Brand hatte sein Team am Dienstag nach fünf überzeugenden Siegen in der Vorrunde in einer verlängerten Trainingseinheit intensiv auf die unorthodoxe Spielweise der wieselflinken Tunesier eingestellt. "Ich wusste, dass wir körperlich und geistig topfit sein müssen, um dieses schwierige Spiel zu gewinnen", meinte der Weltmeister von 1978, der seinen Profis unabhängig vom Abschneiden bereits ein Reifezeugnis der besonderen Art ausgestellt hat. Brand: "Die Spieler haben in den letzten Jahren gelernt, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren."

"Mit Jugoslawien noch eine Rechnung offen"

Der Sprung in die Runde der letzten Vier, die am Samstag in Lissabon die Finalteilnehmer ermitteln, wäre der erste WM-Halbfinaleinzug einer DHB-Auswahl seit 1995. Die letzte deutsche WM-Medaille holte 1986 die DDR mit Platz drei in der Schweiz.

Doch die volle Konzentration galt bereits kurz nach dem Schlusspfiff dem Prestigeduell gegen die Jugoslawen, die in der Vorrunde Tunesien nur hauchdünn bezwingen konnten (28:27). "Mit denen haben wir noch eine Rechnung offen", kündigte Stefan Kretzschmar an und hat die bittere Viertelfinalpleite bei der WM 1999 (21:22) noch in schlechter Erinnerung. Allerdings konnte die DHB-Auswahl die vergangenen fünf Vergleiche gegen das Team um den Magdeburger Bundesliga-Legionär Nenad Perunicic gewinnen, darunter bei den Olympischen Spielen 2000 (28:22) und im vergangenen Jahr bei der EM in Schweden (27:21).

Besonders motiviert wird Perunicic in das ewige brisante Duell mit dem WM-Achten von 2001 gehen. "Deutschland ist zwar Favorit, aber wir rechnen uns durchaus Chancen aus", meinte das 2,03 m große Rückraumsass, das bei der WM um ein Haar für die Brand-Sieben aufgelaufen wäre. Da der 31-jährige Perunicic seit einigen Monaten die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt und er zuvor zwei Jahre nicht mehr für Jugoslawien gespielt hatte, wäre ein WM-Einsatz in der deutschen Mannschaft möglich gewesen. Doch der Ex-Kieler entschied sich letztlich für sein Heimatland, was Brand nicht weiter tangierte. "Jetzt haben die Spekulationen endlich ein Ende", konstatierte der Bundestrainer erleichtert.

sid - Fotos: dpa


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Zuletzt geändert am 29. Januar 2003 17:08 von sab

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