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Mi 22.01.2003

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Halbfinale erreicht: Tennis-Überraschung in Melbourne nimmt kein Ende

Schüttler greift nach den Sternen

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In der Form seines Lebens: Rainer Schüttler.

Melbourne - Rainer Schüttler greift nach den Sternen am Tennis-Himmel. Mit dem Einzug in sein erstes Grand-Slam-Halbfinale katapultierte sich der 26-Jährige bei den Australian Open in eine neue Dimension und lässt die deutschen Fans weiter von den Zeiten eines Boris Becker oder Michael Stich träumen.

Der 26-Jährige ließ Wimbledon-Finalist David Nalbandian beim 6:3, 5:7, 6:1, 6:0 am Ende nicht den Hauch einer Chance und geht nun optimistisch in die nächste Partie: "Ich kann auch jeden anderen schlagen."

Schüttler trifft im Halbfinale auf Andy Roddick aus den USA. Der 20- Jährige gewann ein 4:59 Stunden langes Klassematch mit 4:6, 7:6 (7:5), 4:6, 6:4, 21:19 gegen Younes El Aynaoui aus Marokko und wehrte dabei einen Matchball ab. Das andere Match der Vorschlussrunde bestreiten der dreimalige Sieger Andre Agassi aus den USA und der ungesetzte Südafrikaner Wayne Ferreira.

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Zeit für Akrobatik: Rainer Schüttler war jederzeit Herr der Lage.

"Das ist ein Traum für mich"

"Das ist ein Traum für mich", sagte Schüttler. "Natürlich bin ich überrascht, aber ich habe ein gutes Turnier gespielt und habe es verdient, im Halbfinale zu sein. Ich habe keinen Druck. Egal, wer kommt, ich will ihn schlagen", sagte der Spätstarter aus Hessen, nachdem er als fünfter Deutscher die Vorschlussrunde in Australien erreicht hatte. Der zwei Mal erfolgreiche Becker hatte 1996 als letzter Deutscher gewonnen, in Stich stand als Finalist der French Open im selben Jahr letztmals ein Deutscher in einem Endspiel. Thomas Haas war 1999 und vor einem Jahr in "down under" knapp gescheitert, Stich war dort 1993 unter die letzten Vier gekommen, Karl Meiler im Jahr 1973.

Erfolgsrezept: "Ich renne, ich renne, ich renne"

In der 2:18 Stunden langen Partie gegen Nalbandian zeigte Schüttler nur im zweiten Satz Schwäche, als er eine 4:2-Führung aus der Hand gab und bei Satzball gegen sich einen Doppelfehler produzierte. Doch der 36. der Jahres-Weltrangliste war frischer und verbuchte zum Schluss zehn Spielgewinne hintereinander gegen den 21- jährigen Argentinier, den er beim vierten Aufeinandertreffen schon zum dritten Mal bezwang. "Ich renne, ich renne, ich renne", beschrieb Schüttler die Grundlage seines Erfolges. "Er kocht die Gegner weich", erklärte Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen. Schüttlers Erfolg ist auch mit Blick auf das schwere Daviscup-Erstrundenspiel vom 7. bis 9. Februar in Buenos Aires von enormer psychologischer Bedeutung.

Bei Nalbandian schwanden die Kräfte

Nalbandian waren die Strapazen des Fünfsatz-Sieges über den Schweizer Roger Federer am Montagabend noch deutlich anzumerken. "Ich war richtig müde, aber es gibt immer einen neuen Tag und ein neues Spiel. Beim nächsten Mal kann ich ihn wieder schlagen", sagte Nalbandian. Schon im zweiten Satz begann der Frust an ihm zu nagen. Einmal warf er seinen Schläger wutentbrannt auf den Platz, nach einem Aufschlagverlust per Doppelfehler spielte er Fußball mit dem Racket. Unter den Augen von Grand-Slam-Legende Rod Laver durfte sich am Ende das deutsche Laufwunder feiern lassen, als Nalbandian beim ersten Matchball die Filzkugel ins Netz setzte. "Ich konnte es einfach nicht glauben. Dafür arbeite ich", sagte der strahlende Sieger, dessen Eltern den Erfolg daheim am frühen Morgen mit Champagner feierten.

Bei den Damen gibt es im Halbfinale am Donnerstag den Vergleich Belgien gegen die Williams-Schwestern. Es beginnt Justine Henin- Hardenne gegen Venus, danach will Kim Clijsters ihren Erfolg vom Masters-Finale im November gegen Serena Williams wiederholen. Die 19- jährige Flämin könnte damit den "Serena Slam" verhindern, nachdem die Weltranglisten-Erste aus den USA zuletzt die French Open, Wimbledon und die US Open gewonnen hat. Serena Williams siegte am Mittwoch 6:2, 6:2 gegen US-Teamgefährtin Meghann Shaughnessy. Die Weltranglisten- Vierte Kim Clijsters erfüllte beim 6:2, 6:4 gegen die Russin Anastasia Myskina ihre Pflicht.

Von Robert Semmler, dpa - Fotos: dpa


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Zuletzt geändert am 22. Januar 2003 11:54 von sab

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