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Di 01.10.2002
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Denkmal bringt Danzig in BedrängnisWohin mit Günter Grass?
Danzig/Behlendorf - Die Stadt Danzig (Gdansk) hat ein gewichtiges Problem: Wohin mit Günter Grass? In diesem Fall ist der Nobelpreisträger nicht literarisches Schwergewicht, sondern eine Bronzeskulptur. Das Denkmal sollte eigentlich an diesem Samstag (5. Oktober) - und damit rechtzeitig zum 75. Geburtstag des Dichters (16. Oktober) - in einem Park seiner Heimatstadt eingeweiht werden: Eine Parkbank, auf der Grass in Bronze und seine berühmteste Romanfigur, Oskar Matzerath aus der "Blechtrommel", sitzen. Doch Grass erhob, wie er in seinem Haus in Behlendorf bei Lübeck erzählt, Einspruch: "Zu Lebzeiten will ich kein Denkmal von mir sehen." Nur Oskar Matzerath wird enthüllt Jetzt ist mit dem Autor ein Kompromiss gefunden worden: Nur Oskar Matzerath wird am Samstag enthüllt, die schon gegossene Grass- Skulptur, die den Kaschuben mit Baskenmütze und Pfeife zeigt, kommt erstmal in den Keller. "Die Danziger müssen schon warten, bis ich diesen Erdball verlassen habe, dann können sie machen, was sie wollen", schmunzelt Grass und zündet sich eine Pfeife an.
Der für seinen schelmenhaften Humor berühmte Dichter schlug allen Ernstes eine verblüffende Alternative vor: "Wenn Sie etwas machen wollen, dann sorgen sie dafür, dass in der Mietskaserne, in der ich aufgewachsen bin, in jede Wohnung Toiletten eingebaut werden. Die können Sie meinetwegen Grass-Toiletten nennen." Bis heute müssen die Bewohner mit dem Etagenklo im Treppenhaus auskommen. "Aber was machen wir mit der Grass-Figur?" "Das kam für uns ziemlich überraschend", sagt Stadtsprecherin Anna Zbierska und klingt leicht pikiert. Sie hätten es doch nur gut gemeint. Jetzt habe man in letzter Minute das Denkmal ändern müssen, und nur Oskar Matzerath blieb übrig. "Aber was machen wir mit der Grass-Figur?" seufzt Zbierska ratlos. Der Bronze-Dichter ist bezahlt, geliefert und soll nicht wieder eingeschmolzen werden. "Wir werden ihn wohl erst einmal in einem großen Schrank deponieren müssen", meint die Stadtsprecherin. Nur im "Grass-Haus" Toiletten einzubauen, sei nicht fair Grass, der in seiner Geburtsstadt als "großer Danziger" verehrt wird, stößt mit seinem Appell nach besseren Bedingungen für die Bewohner seines Geburtshauses im Stadtteil Wrzeszcz zwar auf Verständnis, bislang ist sein Ruf aber ungehört verhallt. "Das ist nicht das Problem eines einzelnen Hauses, sondern des ganzen Stadtteils", heißt es bei der Stadt. Eigentlich müssen und sollen die Außentoiletten weichen - aber dazu fehlen der Stadt die finanziellen Mittel. Nur im "Grass-Haus" Toiletten einzubauen, sei nicht fair. "Das würden die Nachbarn auch überhaupt nicht verstehen", meint Zbierska. "Schließlich wohnt Grass dort schon lange nicht mehr." Statt neuer Toiletten ziert aber immerhin schon eine Tafel mit Zitaten aus der "Blechtrommel" die Mietskaserne, in der Grass seine Kindheit verbrachte. Eva Krafczyk und Matthias Hoenig, dpa |
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Zuletzt geändert am 1. Oktober 2002 15:09 von tea |
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