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Fr 30.08.2002

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Der Kampf um Peking 2008 - Rogge: "Es allen recht zu machen, geht nicht"

Sturm auf chinesische Mauer

Lausanne - Pierre de Coubertin dürfte sich im Grab umdrehen und Karl Marx in seinem Sarg routieren: Ausgerechnet im kommunistischen Peking wollen 2008 die Golf-Millionäre um Tiger Woods ihren Wiedereinzug in die olympische Arena feierm. Auf der Strecke bleiben soll dagegen der Moderne Fünfkampf, das große sportliche Vermächtnis des IOC-Gründers. Ende November muss die Vollversammlung in Mexiko-City eine Entscheidung in dieser Angelegenheit treffen.

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Jacques Rogge hat viel vor

Auch Slalom-Kanuten, Military-Reiter, Geher, Ringer (eine Stilart) und Synchronschwimmer (Team) wollen die "chinesische Mauer" noch stürmen, die sich ihnen nach den Tagen von Lausanne entgegenstellt. Der Kampf um einen Platz im Olymp hat am Tag nach Veröffentlichung der "Streichliste" durch die IOC-Exekutive an allen Fronten begonnen.

Ulrich Feldhoff, der Präsident des Kanu-Weltverbandes ICF, blieb zumindest nach außen hin gelassen. "Ich bin überzeugt, dass wir mit unseren Argumenten gegensteuern können", sagte der 64-Jährige am Rande der Rennsport-Weltmeisterschaften in Sevilla: "In Sydney waren wir Monate vorher ausverkauft, die Strecke erwirtschaftet Überschuss, das Kostenargument kann ich also nicht nachvollziehen." Ähnlich sieht es Thomas Hartwig, Pressesprecher der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN): "Es ist ja nur eine Vorschlagsliste. Bis November bleibt noch genügend Zeit, Lobbyarbeit zu leisten."

Damoklesschwert schwebt über Fünfkampf, Baseball und Softball

Die "normalen" IOC-Mitglieder spielen auf dem Reformkongress die erste Geige, sie können mit einfacher Mehrheit eine ganze Sportart vor die Tür setzen. Das Damoklesschwert schwebt derzeit über Fünfkampf, Baseball und Softball. "Wer so lange zur Familie gehört, sollte nicht verstoßen werden", sagte der russische IOC-Vizepräsident Witali Smirnow und deutete an, dass die Nostalgie die Fünfkämpfer durchaus retten kann.

Zündstoff um Military und Kanuslalom

Nur ein Ausschluss würde Platz für Neulinge schaffen. "Wenn keiner raus geht, kommt auch keiner rein. 28 Sportarten sind das Maximum", erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge unmissverständlich. Der ehemalige Olympia-Segler und Rugby-Nationalspieler war von dem Vorschlag der Spezialkommission selbst überascht: "Ich kenne Siebener-Rugby überhaupt nicht, wir haben immer mit 15 Mann gespielt." Golf soll nur zugelassen werden, wenn der Auftritt der besten Spieler garantiert ist.

Der größte Zündstoff liegt aber nicht bei der Vollversammlung sondern bei der Exekutive, denn sie allein kann über einzelne Disziplinen innerhalb der Sportarten entscheiden. Das gilt in diesem Fall für Kanuslalom, Military und Gehen. Rogge: "Wir wollen die Kosten der Spiele eindämmen." Wenn aber Peking unbedingt eine Kanuslalom-Anlage bauen will, wird sich die IOC-Führung dem kaum verschließen. "In Athen kostet die Strecke weniger als sieben Millionen Euro", sagt Feldhoff: "Im Vergleich zu anderen Sportarten ist das eine Summe, die wohl kaum zur Streichung führen kann."

"Wir stehen vor sehr schwierigen Entscheidungen"

Rogge deutete auch schon Verhandlungsspielraum an: "Wir werden jetzt mit allen Verbänden intensive Gespräche führen. Wir sind uns unserer sportpolitischen Verantwortung voll bewusst, denn es muss für alle auch ein Leben nach den Spielen geben." Allerdings dürften Segeln oder Schießen einige Disziplinen verlieren. Sehr fraglich ist dagegen, ob die Exekutive das Leichtgewichtsrudern streicht. Sie würde sich damit massiv in die interne Sportpolitik des Weltverbandes einmischen.

"Wir stehen vor sehr schwierigen Entscheidungen", sagte der IOC-Präsident. "Unser Ziel kann nur sein, ein bestmögliches Programm für die Spiele zusammenzustellen. Alle Vorschläge der Kommission sind gut begründet. Wir können es nicht allen recht machen. Dann gibt es überhaupt keine Bewegung mehr, und das darf nicht sein."

Dieter Hennig, sid


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Zuletzt geändert am 30. August 2002 12:34 von tea

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