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Olympiasiegerin nimmt fünften Platz gelassen hin - WM 2003 im Blick

Ära der "goldenen Heike" geht langsam zu Ende

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Es hat nicht sollen sein: Heike Drechsler hat eine Medaille verpasst, aber ihr Lächeln bewahrt.

München - Als ihre Regentschaft in der Weitsprung-Grube nach 16 Jahren zu Ende gegangen war, siegte schon wieder der Humor. "Die Alte kann trotzdem noch springen", scherzte Heike Drechsler nach ihrem enttäuschenden fünften Platz im Regen von München, mit dem sie sich für immer von den Leichtathletik-Europameisterschaften verabschiedete.

"Ich habe noch Spaß", fügte die Olympiasiegerin von 1992 und 2000 trotzig hinzu und kokettierte wie immer, wenn es nicht nach Plan läuft, mit ihrem Alter: "6,64 m mit 37 - das schafft keine außer mir."

Wie ein begossener Pudel

Ihr Blick verriet das Gegenteil. Wie ein begossener Pudel stand die "ewige Heike" in den Katakomben des Olympiastadions, strich sich immer wieder mit der Hand durchs klatschnasse, blonde Haar und versuchte, nach einem sentimentalen Abend tapfer zu lächeln: "Klar bin ich enttäuscht und ein bisschen traurig, ich wollte schon mehr. Aber ich sehe es mit Humor. Schließlich habe ich für die WM 2003 in Paris noch Ziele und Wünsche."

Im Zwiespalt der Gefühle

Heike Drechsler steckte im Zwiespalt der Gefühle. Zum einen wusste sie, dass sie nach vier EM-Titeln in Folge von 1986 bis 1998 die historische Gelegenheit verpasst hatte, als erste Leichtathletin überhaupt fünfmal EM-Gold in Serie zu gewinnen. Zum anderen wollte sie erst gar keine Abschiedsgedanken aufkommen lassen: "Es war nicht mein Tag, aber ich habe mein Bestes gegeben. Es war eine schwere Saison für mich, trotzdem bin ich motiviert für die Höhepunkte, die noch kommen."

6,64 m im fünften Versuch waren schlichtweg zu wenig, um in den Kampf um die Medaillen einzugreifen. Statt Drechsler flog die Russin Tatjana Kotowa mit 6,85 m zu ihrem ersten EM-Gold. Der Triumph der WM-Zweiten von 2001 war verdient, immerhin war sie mit 7,42 m als Jahresweltbeste nach München gekommen. Silber ging an die Britin Jade Johnson, die mit 6,73 m die weitengleiche Ungarin Tünde Vaszi wegen des besseren zweiten Versuchs auf Platz drei verwies.

Alles riskiert und dabei übergetreten

Immerhin neun Zentimeter trennten Heike Drechsler von der ersehnten Medaille. Kein Sprung gelang der zweimaligen Weltmeisterin so wie sie wollte. Die ersten fünf gerieten auf Grund des steten Gegenwinds zu kurz, als sie im sechsten zum ersten Mal mit Rückenwind anlief und alles riskierte, trat sie über. "Ich bin mit den Bedingungen nie zurechtgekommen", seufzte die 37-Jährige: "Ich habe gekämpft bis zum Schluss, aber es sollte nicht sein."

Bittere Erkenntnis: "Kotowa war nicht unschlagbar"

Die Erkenntnis war umso bitterer, als ihre Saison-Bestleistung von 6,85 m, aufgestellt vor zwölf Tagen in Leverkusen, exakt für den Sieg gereicht hätte. "Kotowa war heute nicht unschlagbar", erkannte Drechsler, die sich dennoch mit dem schwächsten Resultat ihrer EM-Geschichte begnügen musste. Als sie 1982 in Athen als 17 Jahre alter DDR-Teenager ihre erste EM bestritt, landete sie mit 6, 71 m auf Rang vier. Danach folgte bis 1998 viermal Gold, 2002 ging es erstmals bergab. Die Ära der "goldenen Heike" neigt sich anscheinend dem Ende entgegen. Auch an ihr geht die Zeit nicht spurlos vorüber.

Von Markus Seyrer, sid - Foto: dpa


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Zuletzt geändert am 8. August 2002 12:17 von sab

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