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Fr 02.08.2002

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Leichtathletik-EM: Nachfolger von Rosendahl, Meyfarth gesucht

Wer holt die Medaillen für Deutschland ?

München - Weltstars der Leichtathletik wecken ab Dienstag bei den 18. Europameisterschaften im Münchner Olympiastadion (6. bis 11. August) Erinnerungen an die grandiosen Sommerspiele von 1972.

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Eine Kandidatin auf Gold: Heike Drechsler

Die britischen Weltrekordler Jonathan Edwards und Colin Jackson, die tschechischen Ausnameathleten Jan Zelezny und Roman Sebrle sowie Dänemarks 800-m-Star Wilson Kipketer sind im Wettstreit der fast 1300 Athleten aus 45 der 47 europäischen Verbände die aktuellen Gegenstücke zu damaligen Olympiastars wie Sprint-Doppelsieger Waleri Borsow, Finnlands Langstrecken-Phänomen Lasse Viren und Ugandas 400-m-Hürden-Legende John Akii-Bua.

Kaum Gold-Aspiranten

Doch wer tritt von deutscher Seite in die Fußstapfen von Heide Rosendahl, deren Sturmlauf zum Staffel-Gold noch den Glanz des Weitsprung-Sieges überstrahlte? Wer sorgt in der für 3,8 Millionen Euro renovierten Arena für einen Höhenflug wie damals Ulrike Meyfarth beim Sensations-Flop zum Gold? Die Zahl der Siegkandidaten im 92-köpfigen Gastgeberteam ist eng begrenzt. Doch auch in den Tagen vor München 1972 zeichneten sich sechs Triumphe und die mit Abstand beste Olympia-Bilanz der Geschichte für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nicht unbedingt ab. Schon eher die acht Goldmedaillen, die damals die DDR mit Doppelsiegerin Renate Stecher (100/200 m) gewann.

"Wenn alles optimal läuft, können unsere Athleten eine ganze Reihe von Medaillen holen", sagt DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop im Wissen darum, dass die acht Siege und insgesamt 23 Plaketten der Rekord-EM 1998 in Budapest bei noch so viel Unterstützung durch die an sechs Tagen erwarteten 200.000 Zuschauer kaum wiederholbar sind. Die Hälfte dessen scheint ein realistisches Maß für ein in der Leistungsspitze überaltertes und durch Ausfälle wie den von Diskus-Weltmeister Lars Riedel geschwächtes Team. Deutschland wird hinter Russland und Großbritannien am Ende wohl dritte Kraft sein.

Deutsche Athleten hoffen auf einige Medaillen

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Der Engländer Jonathan Edwards (Dreisprung) ist immer für eine Medaille gut.

Was Hoffnung gibt ist die Tatsache, dass sich die großen Namen zuletzt wieder positiv in Szene setzten: Heike Drechsler will nach ihren 6,85 m im Duell mit der übermächtig scheinenden Russin Tatjana Kotowa (7,42 m) durch einen fünften EM-Sieg im Weitsprung Geschichte schreiben, Nils Schumann wie bei Olympia Weltrekordler Kipketer 800-m-Gold entreißen und Grit Breuer als Dritte aus dem Kreis der erneut aussichtsreichen deutschen Titelverteidiger über 400 m triumphieren.

Auch Ingo Schultz hofft, nach WM-Silber die deutsche 400-m-Tradition mit Gold fortsetzen zu können. Dieter Baumann möchte ein halbes Jahr nach Ende der Dopingsperre die zweite Karriere mit 10.000-m-Gold krönen, die Stabhochspringer in die Fußstapfen des vor 30 Jahren siegreichen Jenaers Wolfgang Nordwig treten und Sabine Braun im letzten Siebenkampf der Karriere mit dem dritten EM-Gold das Happy End nach Maß feiern.

Ein paar Weltklasse-Sportler fehlen

Beim Münchner Kräftemessen mit je elf Olympiasiegern und Weltmeistern und 19 Titelverteidigern fehlt aus dem Kreis der 20 Jahres-Weltbesten nur Schannah Pintusewitsch (Ukraine), wohl nicht zuletzt deswegen, weil sie zum "Nulltarif" gewinnen müsste, nachdem ihr der WM-Triumph 2001 im 100-m-Duell mit US-Star Marion Jones 60. 000 Dollar beschert hatte. Neben Österreichs 800-m-As Steffi Graf (Tumoroperation) fallen eine Handvoll anderer Topathleten wegen Verletzungen aus. In 46 Disziplinen fehlen neben Pintusewitsch nur vier Saisonbeste. Gabriela Szabo, Olympiasiegerin und Weltranglistenerste über 5000 m, peilt ihren ersten EM-Titel nur über 1500 m an.

England und Russland auf der sicheren Seite

Die EM-Sieger von 1998 werden mit Ausnahme der britischen Weltrekordler Colin Jackson (110 m Hürden) und Jonathan Edwards (Dreisprung) keine große Rolle spielen. Wenn sie durch den Start Tage zuvor bei den Commonwealhspielen nicht zu sehr gestresst sind, könnten die Briten nicht nur dank ihrer Stärke im Männersprint ein halbes Dutzend Goldmedaillen gewinnen. Für Russlands Sieg in der Medaillenwertung spricht die Überlegenheit seiner Frauen.

Rund 50 Stunden lang berichten ARD und ZDF (noch länger Eurosport) vom Kampf um 46 Titel und zwei Europacups (Marathon Männer und Frauen). Die Kosten für die Übertragungen belaufen sich auf fünf Millionen Euro und sind damit fast so hoch wie das mit sieben Millionen Euro veranschlagte Gesamtbudget der Veranstaltung.

Von Gerd Holzbach, sid


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Zuletzt geändert am 2. August 2002 11:59 von tea

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