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Do 20.06.2002

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Keine finanzielle Hilfe nach Lizenzentzug - Gnadengesuch bei DFL

Die Eintracht greift nach dem letzten Strohhalm

Frankfurt/Main - Eintracht Frankfurt klammert sich an den letzten Strohhalm im Kampf um die Lizenz für die 2. Bundesliga. Ein Gnadengesuch beim "Ständigen Schiedsgericht" der Deutschen Fußball- Liga (DFL) scheint der letzte Ausweg aus der größten Krise des 103 Jahre alten Traditionsvereins. Finanzielle Hilfe ist nicht in Sicht.

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Kehraus: Die Zukunft von Eintracht Frankfurt ist mehr als ungewiss.

Mit dem Ludwigsburger Rechtsanwalt Christoph Schickhardt haben sich die Hessen nach dem Lizenzentzug am Mittwoch durch die DFL einen Experten an die Seite geholt, der in ähnlicher Situation Hertha BSC Berlin und dem VfL Wolfsburg in allerletzter Instanz das Spielrecht im Profigeschäft sichern konnte.

Seit den Jahren des Niedergangs spaltet die "Launische Diva vom Main" mit ihrer schillernden Vergangenheit und nun wohl hoffnungslosen Zukunft im Amateurlager die Stadt und die Region Rhein-Main in Pro und Kontra. Die Lizenzverweigerung reißt nicht nur das von jahrelanger Misswirtschaft und amateurhafter Führung geprägte Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga in den Abgrund. Auf dem Spiel steht nicht nur der Traditionsverein mit 6000 Mitgliedern und 14 Amateur-Abteilungen, die mit in den Strudel gezogen werden.

Millionen teuren Großprojekte müssen neu bewertet werden

Im Sog der anstehenden Insolvenz müssen auch die Millionen teuren Großprojekte mit dem Stadion-Neubau zur Fußball-WM 2006 für 150 Millionen Euro und die nationale Bewerbung für die Olympische Spiele 2012 neu bewertet werden. Die Eintracht AG mit dem Profi-Fußball war immer Basis zur Berechnung und Kalkulation für die zu prüfende Wirtschaftlichkeit des reinen Fußball-Stadions für 50 000 Zuschauer.

Fällt die AG als Nutzer mit dem bisherigen Mietvolumen von 800 000 Euro im Stadion weg, bliebe nur noch das Football-Team der Frankfurt Galaxy mit fünf Heimspielen pro Jahr als beachtlichen Nutzer. Da für die Stadion Gmbh als derzeitigem Betreiber des im Abbruch befindlichen Waldstadions noch kein Nachfolger gefunden worden ist, bleibt ein großer Unsicherheitsfaktor in den Kalkulationen.

"Das Stadion wird gebaut"

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Wie ein Sinnbild für den Niedergang des Frankfurter Fußball- Tradionsvereins Eintracht wirken zerfetzte Plakate auf dem Gelände des Waldstadions i

Bis zum Spatenstich am 17. Juni auf den Trümmern für den Umbau des maroden Waldstadions sind bisher schon Verpflichtungen in Höhe von rund 57 Millionen Euro entstanden. Das teilte der Geschäftsführer der "Frankfurter Waldstadion Betreibergesellschaft", Klaus Kröll, am Donnerstag mit. Würde das Stadion nicht gebaut, wären 15 Prozent der Bausumme von 150 Millionen Euro aus Vertragsstrafen an den Bauträger "Max Göbl GmbH" fällig.

"Es wäre eine Katastrophe für die Olympia-Bewerbung, wenn das Stadion nicht gebaut werden würde", sagte Geschäftsführer Hans-Jürgen Weiss von der Frankfurter Olympiagesellschaft. Frankfurts Bürgermeister und Sportdezernent Achim Vandreike (SPD) sichert noch am Mittwochabend zu: "Das Stadion wird gebaut."

Aufsichtsrat gibt keine Auskunft mehr

Ungeachtet der kontroversen Diskussionen setzte sich am Donnerstag der AG Aufsichtsrat mit Rechtsanwalt Schickhardt zum ersten Mal zusammen. "Wegen des schwebenden Verfahrens geben wir ab sofort keine Auskunft mehr", sagte der Rechtsanwalt, der spätestens bis Montag die Beschwerde beim bei dem dreiköpfigen Schiedsgericht-Gremium mit Vorsitz von Wolfgang Grunsky (Bielefeld) einreichen will.

Scheitert das Gesuch, bleibt nur noch eine Privatklage beim Landgericht Frankfurt. Dem Verein Eintracht Frankfurt, an den die Lizenz bei Insolvenz der AG zurückfallen würde, wird dann eine Frist von 14 Tagen gewährt, um die Wirtschaftlichkeit für die Regionalliga- Lizenz beim DFB nachzuweisen. 1,7 Millionen Euro soll der Etat betragen. Davon sollte die AG eine Million Euro beisteuern.

"Marke Eintracht" ist negativ besetzt

Doch auf Hilfe von Außen, von Sponsoren, die den Hessen unter die Arme greifen könnten, ist nach einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in der Banken- und Wirtschaftsmetropole nichts zu sehen. Die "Marke Eintracht" sei negativ besetzt, heißt es. Die AG brauche "von Unternehmen aus der Region keine Hilfe zu erwarten". Der Club sei "an seinem Schicksal selbst schuld". Auch die Geldinstitute der Stadt gäben sich "extrem zurückhaltend".

Von Rainer Fülscher, dpa


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Zuletzt geändert am 20. Juni 2002 15:17 von tea

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