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Fr 10.05.2002

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Kreis schließt sich für Torgigant Kirsten: "Einer der Pötte muss her"

Der "Schwatte" geht in Fußball-Pension

Berlin - Die Tränen sind getrocknet, die verpasste Meisterschaft verarbeitet, der Blick nach vorne gerichtet: Für Ulf Kirsten schließt sich der Kreis. Noch zwei Endspiele mit Bayer Leverkusen, das DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin gegen Schalke 04 und das Champions League-Endspiel am Mittwoch gegen Real Madrid in Glasgow, dann geht der erfolgreichste Bundesliga-Torjäger der 90er Jahre in Fußball-Pension. "Einen der Pötte müssen wir holen", fordert der "Schwatte" vor seinem Karriereende, "nachdem wir zu blöd für den Meister-Titel waren".

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346 Bundesligaspiele mit 181 Toren für Bayer, 73 Europacup-Auftritte mit 41 Toren, 100 Länderspiele (49 für die ehemalige DDR) mit insgesamt 35 Treffern - doch für das "Schreckgespenst im Strafraum" gibt es kein Zurück.

"Das ist meine letzte Saison. Ich brauche morgens zwar keinen Kran, um aufzustehen, da fühle ich mich auch nicht anders als mit 25. Aber die ganzen Reisen, das muss ich nicht mehr haben. Außerdem will ich aufhören, bevor die Fans sagen: Den alten Sack wollen wir nun wirklich nicht mehr sehen", sagte der 36 Jahre alte Stürmerstar.

Kirsten bleibt bei Bayer Standby-Profi

Doch der Bundesliga geht der Ex-Dresdner nicht ganz verloren, Kirsten bleibt bei Bayer Standby-Profi. "Ich werde sicher die Saison-Vorbereitung mitmachen und ganz nah bei der Mannschaft bleiben. Sicher werde ich mir manche Einheit ersparen, will aber vernünftig abtrainieren", meinte Kirsten.

Nebenbei soll er sich im Management von Bayer verdient machen, Talente sichten, Spiele und Spieler beobachten. "Was genau neben dem Sportlichen mit mir passiert, müssen wir erst noch klären. Es ist noch nichts entschieden, über meine Tätigkeit wird viel geredet und spekuliert. Reiner Calmund hat seine Vorstellungen, ich habe meine", erklärte der Torjäger.

"Ich will den Pott noch mal anfassen"

Wie auch immer seine Zukunft aussieht, Kirsten kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Zu DDR-Zeiten wurde der gelernte Maschinen- und Anlagemonteur zweimal Meister und dreimal Pokalsieger mit Dynamo Dresden. Nach dem Wechsel 1990 zu Bayer wurde er 1993 DFB-Pokalsieger. Damals schoß der "Schwatte" im Finale von Berlin gegen die Amateure von Hertha BSC das Goldene Tor. "Ich will den Pott noch mal anfassen, mit ins Bett wie vor neun Jahren würde ich ihn diesmal aber nicht nehmen. Unser verletzter Kapitän Jens Nowotny hätte den Pokal auf seinem Zimmer verdient", meinte Kirsten.

Völler: "Strafraum ist sein Wohnzimmer"

So mancher Abwehrspieler in der Bundesliga wird über das Karriereende des Torgiganten froh sein. "Der Strafraum", hat DFB-Teamchef Rudi Völler mal gesagt, "ist Kirstens Wohnzimmer". Da benimmt sich der Vollblutstürmer längst nicht immer vorbildlich.

Mit hartem, kompromisslosem Körpereinsatz, mit kratzen, beißen, kämpfen, wühlen oder rackern, manchmal auf Kosten der Fairness versucht er an den Ball zu kommen und Tore zu machen. Er muss immer unter Dampf stehen, er ist einer, der immer gewinnen will. Selbst im Training kann er nicht verlieren. Wenn er nicht trifft, dann ist er sauer, mitunter ungenießbar.

Ein Spieler mit "Killerinstinkt"

Trainer Klaus Toppmöller schaffte es allerdings, dass Ulf Kirsten sich am Ende seiner Karriere "geräuschlos und ohne zu stänkern" auf die Ersatzbank setzte. "Kein anderer tut soviel für seine Fitness wie der Ulf. Er hat Glänzen in den Augen, wenn er vor dem Tor steht, und er macht Tore mit seinem Killerinstinkt wie kein anderer", lobte "Toppi" den Stürmerstar und hofft, "dass Ulf der Abschied mit einem Titel versüßt wird, er hätte es allemal verdient, nachdem ihm der Traum vom Gewinn der Schale versagt geblieben ist."

Von Joachim Neußer, sid


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Zuletzt geändert am 10. Mai 2002 11:42 von tea

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