|
|
|||||||||||||
|
|
|||||||||||||
Mo 15.10.2001
|
Beckenbauer und Co. fürchten deutsches WM-Scheitern - FinanzproblemeDie Sorgen nach der Euphorie
München - 15 Monate nach dem Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben Sorgen um Sicherheit, Finanzen und das drohende Scheitern der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2002 die Euphorie verdrängt. Bei der ersten großen Pressekonferenz des Organisationskomitees (OK) am Montag in München blickte Präsident Franz Beckenbauer zwar optimistisch auf den WM- Anpfiff in 1699 Tagen: "Wir sind auf jeden Fall im Soll." Doch türmen sich vor dem größten Sportereignis in Deutschland seit der WM 1974 ein Berg ungelöster Probleme vor den Organisatoren auf. Am einfachsten zu lösen scheint die Auswahl der Stadien zu sein. Dabei hat das OK noch einmal gegenüber dem Weltverband FIFA auf das Tempo gedrückt und erreicht, dass die Entscheidung über die zwölf WM- Arenen bereits auf das kommende Frühjahr vorgezogen wird. Bis zum 15. Dezember müssen die 16 Städte (Berlin, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Köln, Leipzig, Leverkusen, Mönchengladbach, München, Nürnberg, Stuttgart) ihre Bewerbungsunterlagen eingereicht haben. Zwei Milliarden Mark für Neu- und Umbau der Stadien Überraschend schloss OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt München nicht ausdrücklich als Spielort aus, falls es nicht zum geplanten Stadion-Neubau kommen sollte. Beckenbauer dagegen gab sich vor dem maßgeblichen Bürgerentscheid in der bayerischen Landeshauptstadt am Sonntag dagegen weiterhin kompromisslos. "Mit dem alten Olympiastadion kann man die Weltmeisterschaft in München vergessen", sagte er . Der OK-Chef deutete an, dass die Streichliste auf jeden Fall den Westen treffen wird. "Wir gehen auch nach geografischen Kriterien vor. Es können nicht sechs Spielorte aus dem Westen kommen, sagte er. Eine "Wildcard" verteilte Schmidt an Leipzig als den einzigen Bewerber aus den neuen Bundesländern. Voraussetzung sei aber auch hier die Erfüllung des Pflichtenheftes. Beim Neu- und Umbau der Stadien wird mit einem Aufwand mit zwei Milliarden Mark gerechnet. Schily soll bei Sicherheit helfen Zu den nächsten Aufgaben der Organisatoren gehört die Bildung eines achtköpfigen Aufsichtsrates unter Führung von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, in dem Bundesinnenminister Otto Schily eine herausragende Position einnehmen wird. Denn an ihm macht sich das Thema Sicherheit fest, dass seit den Terroranschlägen gegen die USA am 11. September auch für die WM 2006 zentrale Bedeutung gewonnen hat. Schmidt versuchte zu beruhigen: "Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben uns gar nicht auf einen neuen Weg gebracht." Durch enge Zusammenarbeit mit den nationalen und internationalen Sicherheits- Organisationen sollen die "Maßnahmen in ihrer Qualität gesteigert werden" und so gewährleistet sein, dass "alle Besucher ohne Sorge nach Deutschland kommen". Budget von 500 auf bis zu 800 Millionen Mark Kopfzerbrechen bereit dem OK der eigene Etat. Schon jetzt zeichnet sich eine Erhöhung des Budgets von 500 auf bis zu 800 Millionen Mark ab. Die Deckung ist noch ungewiss. Den größten Batzen soll der Verkauf der 3,5 Millionen Eintrittskarten einbringen. Dazu sollen Erlöse aus eigenem Marketing sowie dem Verkauf von Briefmarken und Münzen kommen. Schmidt hat auch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass die FIFA aus ihrer prall gefüllten Schatulle eine Garantiesumme zahlt. Südkorea und Japan erhalten für 2002 jeweils 100 Millionen Dollar. Bisher stehen schon acht von 15 FIFA-Sponsoren für das Turnier in Deutschland fest. Das deutsche OK will sich über sechs nationale Sponsoren mitfinanzieren und den ersten möglichst noch in diesem Jahr präsentieren. "Es besteht kein Anlass zu dramatisieren", sagte Vizepräsident Fedor Radmann. Es sei "kalter Kaffee", dass deutsche Firmen beim WM-Marketing nicht zum Zuge kämen. In der Kündigung der Ausfallversicherung der FIFA für die WM 2002 durch den Konzern AXA sieht Radmann ein "reines Prämien-Problem". Auch das deutsche OK werde sich entsprechend absichern, "doch das wird nun teurer werden". Vieles von dem, was die OK-Spitze gegenwärtig an Sorgen drückt, ist von ihr nicht direkt zu beeinflussen. So fürchtet Beckenbauer bei einem Scheitern der DFB-Auswahl in den Relegationsspielen gegen die Ukraine (10. und 14. November) einen "Imageschaden, der gar nicht zu beziffern ist. Wir wagen gar nicht daran zu denken". Klaus Bergmann, dpa |
Diese Umfrage gibt es nicht mehrDonnerstag, 15. Januar 2004, © RZ-Online GmbH | |||||||||||
Zuletzt geändert am 15. Oktober 2001 17:10 von tea