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Fr 14.09.2001
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Stadtoberhaupt stapft durch Trümmer und tröstet Angehörige:Bürgermeister Giuliani wird zum strahlenden HeldenNew York - New Yorks einst umstrittener Bürgermeister Rudolph Giuliani ist in den Stunden und Tagen nach dem Anschlag zum strahlenden Helden geworden. Selbst von seinen Kritikern wird er gelobt. Direktübertragungen von Giuliani, der durch die Trümmer stapft und mit erschöpften Feuerwehrleuten spricht, und mehr als ein Dutzend Pressekonferenzen, in denen "Rudy" ohne Umschweife und Beschönigungen Rede und Antwort steht, machen großen Eindruck auf die erschütterten und verunsicherten New Yorker.
"Giuliani war präsenter als Präsident George W. Bush", meint dazu Peter Gray, Mitarbeiter der Personalberatungsfirma Kornferry Futurestep. "Er war so schnell an Ort und Stelle, dass er sogar vor einem einstürzenden Gebäude davonlaufen musste." Und was früher häufig an Giuliani kritisiert wurde, seine direkte und schonungslose Art, bringt ihm jetzt sehr viel Lob und Ansehen. So erklärte er am Donnerstag auf einer seiner zahlreichen Pressekonferenzen, es gebe bislang 94 Tote und 4.763 Vermisste. "Ausserdem sind wir in der grausigen Situation, dass wir viele Leichenteile haben. Also, wir haben 70 Leichenteile. Es tut mir leid, dass ich das so sagen muss." Verbrechenspolitik unter dem Motto "Null Toleranz" Zugleich zeigt der Bürgermeister großes Mitgefühl mit den Menschen seiner Stadt. Ohne Zögern zieht er sich die Schutzmaske vom Gesicht, um in unmittelbarer Umgebung der zerstörten Türme des World Trade Center eine verzweifelte Frau zu trösten, deren Sohn in den Trümmern vermisst wird. Giuliani und der Gouverneur des Staates New York George Pataki "haben sich unermüdlich der verunsicherten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Manchmal reichte es schon, dass sie zugaben, nicht alle Antworten zu kennen", schrieb die "New York Times" - eine Zeitung, die den Bürgermeister sonst mit scharfer Kritik nicht verschont. Denn seit dem Beginn seiner ersten Amtszeit 1993 und seiner Wiederwahl vier Jahre später geriet Giuliani sowohl wegen seiner Politik als auch wegen seines Privatlebens oft in die Schlagzeilen. Zunächst hatte er großen Erfolg mit seiner strikten und rücksichtslosen Anti-Verbrechenspolitik: Unter dem Motto "Null Toleranz" erreichte er einen drastischen Rückgang der Verbrechen in New York. Doch genauso intolerant zeigte er sich im vergangenen Jahr in kulturellen Fragen: Er drohte mit der Schließung eines Museums, das das Gemälde einer mit Elefantendung beschmierten Gottesmutter zeigte. "Er hat tief durchgeatmet und Ruhe bewahrt" Seine Kritiker drehten den Spieß sofort um: Laut wunderten sie sich über seinen Anspruch auf moralische Autorität, da er doch als verheirateter Mann eine Affäre mit einer New Yorkerin hatte. Anfang dieses Jahres berichteten die Zeitungen genüsslich über den erfolgreichen Prozess seiner Frau, die durchsetzte, dass Giulianis Geliebte nicht seinen offiziellen Amtssitz betreten durfte. Im vergangenen Jahr zog sich der republikanische Politiker aus dem Rennen um den Senatssitz für New York zurück, als bekannt wurde, dass er an Prostatakrebs leidet. Doch seit seinem Auftauchen in den rauchenden Trümmern des World Trade Centers sind alle Eskapaden vergessen. "Bei allen seinen Fehlern war Rudy Giuliani diese Woche einfach fantastisch", schrieb die Boulevardzeitung "Newsday". "Wenn Rudy durch den Staub stapft, weiß jeder gleich, wer hier das Sagen hat." Auch politisch glänzte der Bürgermeister durch Besonnenheit: Er machte ganz schnell klar, dass rassistische Racheakte gegen Araber nicht geduldet würden. Voll Anerkennung schreibt "Newsday": "Er hat tief durchgeatmet und Ruhe bewahrt." AFP - Foto: AP |
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Zuletzt geändert am 14. September 2001 15:41 von aj |
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