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Regen: Damen-Finale am Sonntag - Briten warteten auf Henman

Blasmusik statt "Tiger Tim" in Wimbledon

London - Statt "Tiger Tim" gab's Blasmusik. Die Welsh Guards spielten auf dem Centre Court auf, nicht Tim Henman und Goran Ivanisevic und auch nicht Venus Williams und Justine Henin im Damen-Endspiel. Wimbledon erlebte am Samstag wieder einen dieser Tage, an denen nichts ging. Zwischendurch gab der frühere US-Präsident Bill Clinton ein Interview aus der königlichen Loge für die Fans, die mit stoischer Geduld ausharrten und "streichelte" die Seele der frustrierten Zuschauer: "Wimbledon ist das größte Turnier der Welt, und jeder weiß es."

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Echte Wimbledon- Fans sind Kummer gewohnt und harren auch bei Regen aus. Doch am Samstag ging gar nichts mehr.

Genauso weiß jeder über die Unbestimmbarkeit des britischen Wetters Bescheid. Zwölf Tage lang strahlte die Sonne, nur zweimal musste wegen leichter Schauer kurz unterbrochen werden, alles ging glatt - bis zum Samstag, als es drauf ankam. Bis zum frühen Abend war wegen des dauernden Nieselregens kein Ball geschlagen, der Centre Court war abgedeckt, und die Wahrscheinlichkeit stieg stündlich, dass das Damen-Finale wie bereits vor zwei Jahren erst am Sonntag entschieden wird.

Auch Tim Henmans Einzug in die Tennis-Geschichtsbücher ließ noch auf sich warten. Um 14.00 Uhr sollte der Lokalmatador sein "Werk" gegen Ivanisevic vollenden und als erster Brite seit 63 Jahren in das Endspiel der "Championships" einziehen. Gut eine dreiviertel Stunde später wurde zwar bereits die Plane beiseite geschafft, die den "heiligen Rasen" vor den Einflüssen der Witterung schützt, nur um weitere fünf Minuten später jedoch wieder zugezogen zu werden. Gleichzeitig schallte die nur zu gut bekannte Stimme des Platzansagers über die Anlage: "Ladies und Gentlemen, ein Ende des Regens ist nicht abzusehen."

"Henmania" nimmt bizarre Züge an

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Ex-US-Präsident Bill Clinton gab zwischendurch ein Interview in der Ehrenloge.

Seit 1994 schlägt Henman in Wimbledon auf und war immer von seinen Landsleuten ausgeguckt, die schwarze Serie von einheimischen Misserfolgen zu beenden. Schon seine Ur-Großmutter Ellen Stawell-Brown spielte bei den "Championships", ebenso wie seine Großeltern Susan und Henry Billington. Billington unterlag 1938 dem Amerikaner Donald Butch, der anschließend den letzten Briten im Finale, "Bunny" Austin, schlug. Zweimal stand Henman bereits im Viertelfinale, zweimal in der Vorschlussrunde, wo immer Pete Sampras Endstation war.

Die "Henmania" in "Timbledon" hatte schon seit Tagen teilweise bizarre Züge angenommen. "Mach' ihn fertig, Tim" forderte eine Boulevardzeitung in dicken Lettern vom eher schmächtigen Oxford-Boy, der in seinem Wesen so gar nichts mit einem Populisten zu tun hat, sondern mehr wie ein bleicher Landadliger wirkt. Auf dem Platz agiert er vor "seinem" Publikum wie ein Absolvent des Seminars "Jubeln für Anfänger". Auch gegen Ivanisevic tänzelte er am Freitag entschlossen auf der Grundlinie herum, zeigte Faust und "Säge" und forderte die Fans mit Gesten zum Jubel auf.

Nur 50 Prozent Regen-Wahrscheinlichkeit am Sonntag

Doch die Show fand noch keine Fortsetzung. Henman musste am Samstag warten und warten und warten. Der 29. Juni 1999, ein Dienstag, war zuvor der letzte Tag, der komplett dem Regen zum Opfer gefallen war. Boris Becker musste deshalb einen Tag länger auf sein Achtelfinale gegen Patrick Rafter warten, dass sein letzter Auftritt in Wimbledon werden sollte. Glücklicherweise prophezeite die Vorhersage des London Weather Bureau immerhin für Sonntag deutliche Besserung voraus: Nur 50 Prozent Regen-Wahrscheinlichkeit, die zum Nachmittag auf 30 Prozent sinkt. Damit wäre es möglich, dass Herren-Halbfinale schnell am Morgen zu beenden um dann am Nachmittag das Endspiel zwischen Henman oder Ivanisevic und dem Australier Patrick Rafter doch noch zu beginnen.

Zuletzt standen sich 1988 Boris Becker und Stefan Edberg an einem Montag im Herren-Endspiel gegenüber. Sie setzten allerdings ihr bereits am Sonntag begonnenes Match fort und Edberg gewann in vier Sätzen. 1972 musste das Herren-Finale um einen Tag verschoben werden. Damals allerdings auf den Sonntag, der eigentlich noch spielfrei war. Stan Smith besiegte damals Ilie Nastase in fünf Sätzen.

sid - Fotos: dpa, AP

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Zuletzt geändert am 7. Juli 2001 18:26 von aj

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