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Roskilde-Festival: Noch gibt's Tickets
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Ein Jahr nach dem Unglück mit neun Toten:

Roskilde-Festival nicht ausverkauft

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Soll für Party-Time sorgen: Robbie Williams

Roskilde - Das erste Roskilde-Festival nach dem Unglück mit neun Toten im vergangenen Sommer wird nicht ausverkauft sein. Vier Tage vor der Eröffnung der viertägigen Veranstaltung vor den Toren Kopenhagens bestätigte Festivalchef Leif Skov am Montag in der Zeitung "Ekstra Bladet", dass von 70.000 Eintrittskarten noch knapp 10.000 zu haben sind.

"Die werden wir bis zur Eröffnung wohl kaum noch los." Wahrscheinlich hätten viele Eltern ihren 15- oder 16- jährigen Kindern die Erlaubnis verweigert, weil sie in diesem Jahr erst einmal abwarten wollten, ob das Festival sicher ist.

Bei der 30. Ausgabe von Europas traditionsreichstem Rockfestival im vergangenen Jahr waren neun junge Männer, unter ihnen ein Polizist aus Hamburg, während eines Konzertes mit der US-Band Pearl Jam von der drängenden Menge vor der Bühne zu Tode gedrückt worden. Was dann nach und nach über die Hintergründe für den viel zu späten Abbruch der Musik, Hilflosigkeit bei Wachposten und mangelhafte Koordination zwischen Festival, Polizei und dem Krankenhaus von Roskilde ans Licht kam, kostete das Festival zusätzlich erhebliches Vertrauenskapital.

"Konservativ": Musik von Bob Dylan bis Beck

Das diesjährige Festival von Donnerstag bis Sonntag stehe "natürlich unter besonderer Beobachtung", meinte Skov. Mit insgesamt 150 Bands auf sechs Bühnen und Top-Namen wie Bob Dylan, Robbie Williams, Neil Young, Beck, Nick Cave und Patti Smith hat sich vom musikalischen Angebot her wenig gegenüber früheren Jahren geändert. Es sei mit Blick auf das im Durchschnitt knapp über 20-jährige Publikum "konservativ", urteilte die heimische Musikpresse.

Versuch von Risiko-Minimierung: "Crowdsurfing" verboten

Vor den Bühnen kündigt das Festival erhebliche Neuerungen an, mit denen das Risiko eines ähnlichen Unglückes wie im vergangenen Jahr vermindert werden soll. Das berüchtigte "Crowdsurfing" (Gleiten auf der Menge) ist in Roskilde erstmals völlig verboten. Die am meisten durch nach vorn drängende Zuschauer gefährdete Zone direkt vor der riesigen "Orange Scene" wurde neu aufgegliedert, um bessere Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. Und die nicht-professionellen Sicherheitswachen vor den Bühnen mussten sechs statt bisher drei obligatorische Trainingsstunden absolvieren.

Der Platz vor der Unglücks- Bühne "Orange Scene" beim Roskilde- Festival ist am 1. 7.2000 von der Polizei gesperrt worden. Beim größten europäischen Rockfestival waren in der

Skov verkündete die Neuerungen wie immer selbstbewusst und vollmundig. Allerdings hatte er es dabei mit der dänischen Öffentlichkeit deutlich schwerer als in der Vergangenheit. Wurde das stets so freundlich wirkende und dazu noch gemeinnützig organisierte Roskilde-Festival in der Vergangenheit von den Medien stets mit Lob überschüttet, fielen die Schlagzeilen der letzten zwölf Monate weit weniger positiv aus. Das dänische Elternpaar Tonnessen, dessen 17- jähriger Sohn bei dem Unglück starb, warf dem Festival und der örtlichen Polizei Geheimniskrämerei vor. Wachposten berichteten über chaotische Zustände, einzelne Journalisten über massive Versuche der Festivalleitung, kritische Berichterstattung zu unterbinden.

Friedliche Atmospäre - seit Montag kommen die Camper

Auf dem Festivalplatz eine halbe Autostunde westlich von Kopenhagen ist von solchen Spannungen nichts zu spüren. Seit Montag füllt sich hier das gewaltige Campingareal wie jedes Jahr in der letzten Juniwoche nach und nach mit mehreren tausend Zelten. Darin waren bei früheren Roskilde-Festivals auch um die 10.000 Deutsche zu finden. Ob das Unglück des letzten Jahres die Lust am Festival- Klassiker bei dieser Besuchergruppe gedämpft hat, wollte die Festivalleitung nicht mitteilen.

Auch Kartenverkauf in Deutschland "läuft richtig gut"

"Der Kartenverkauf läuft richtig gut", antwortete ein Festivalsprecher auf die nur in schriftlicher Form akzeptierte Frage, ob und im welchem Umfang weniger Tickets im deutschen Vorverkauf abgesetzt worden seien. Man sei vielleicht "eine Spur" hinter den Zahlen des letzten Jahres zurück, aber das hänge mit dem verspäteten Beginn des Vorverkaufs nach den umfassenden sicherheitsmäßigen Vorbereitungen zusammen.

Thomas Borchert, dpa

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Zuletzt geändert am 26. Juni 2001 12:43 von to

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